Geschichte des Feng Shui

Das Qi reitet den Wind und verstreut sich und es stoppt an den Grenzen des Wassers.
(葬書 Zhangshu)

Black Dragon Pool and Jade Dragon Snow mountain (Yulongxui Shan) in Lijiang, Yunnan province of China

Feng Shui, die chinesische Kunst, die Qualität von Standorten zu bestimmen, lässt sich bis um 1000 v.Chr. zurückverfolgen.

Vormals Kan Yu (so viel wie „Himmel und Erde“) oder Di Li („Erdmuster“) genannt, trägt sie etwa seit dem 4. Jahrhundert den Namen „Feng Shui“ (風水 fēng shuĭ), was „Wind und Wasser“ bedeutet. In diesem Begriff steckt das Hauptprinzip des Feng Shui, nämlich die Verteilung und strategische Sammlung von Qi („Lebensenergie“) an einem Standort.

Die Chinesen hatten schon lange erkannt, dass der Mensch als Teil des Kosmos sowohl vom Himmel als auch von der Erde beeinflusst wird. Die energetischen Vorgaben des Himmels können wir nur beobachten und uns darauf einstellen, aber wir können unseren Aufenthaltsort so auswählen und gestalten, dass wir dessen Energie durch geeignete Maßnhamen zu unserem Vorteil lenken.

Im Altertum betrieb man Feng Shui in erster Linie bei Gräbern (Yin Feng Shui) als praktisches Werkzeug der Ahnenverehrung, da die Nachkommen ebenfalls davon profitieren konnten. Allmählich dehnte sich diese Wissenschaft auch auf die Häuser der Lebenden aus (Yang Feng Shui). Zunächst war es dem Kaiserhaus vorbehalten, um dessen Macht, Wohlstand und Fortbestand zu sichern; später konsultierte auch die Bevölkerung, vor allem die Elite, Feng-Shui-Meister.

Die zwei Hauptrichtungen des Feng Shui

Es haben sich zwei grundlegende Schulen herausgebildet: San He (三 合 sān hé, „Drei Harmonien“) und San Yuan (三 元 sān yuán, „Drei Zyklen“), die im Klassischen Feng Shui heute in der Regel parallel angewandt werden. Während San He Feng Shui sich vor allem mit landschaftlichen Aspekten wie Bergen und Wasserläufen befasst, werden im San Yuan Feng Shui die Gesetzmäßigkeiten des Qi untersucht, insbesondere in Bezug auf Zeitzyklen.

boussole01Bei beiden Systemen kommt der chinesische Kompass (chin. 羅盤 luópán) zum Einsatz, ein feinabgestimmtes Instrument zur Vermessung eines Ortes in Bezug zu Himmelsrichtungen und Merkmalen in der Umgebung.

Verbreitung des Feng Shui und Verwässerung

Bis zur Entstehung der Volksrepublik war Feng Shui ein lebendiger Teil der chinesischen Kultur mit einer umfassenden Literaturentwicklung und einer Reihe von Großmeistern, angefangen bei Yang Yun Song (9. Jh.).

In der kommunistischen Zeit wurde es jedoch wie die anderen chinesischen metaphysischen Wissenschaften verdammt, so dass die Meister entweder umgebracht wurden oder auswanderten. Dies hatte zur Folge, dass die größten Feng-Shui-Experten heute in Taiwan, Singapur, Malaysia, Hongkong (bis 1997 britisch) und im Westen leben.

Feng Shui ist Teil der chinesischen Metaphysik, deren einzelne Disziplinen durch die Theorie der Fünf Elemente untereinander verbunden sind. Daher haben sich nicht nur Experten, sondern beispielsweise auch Kungfu- oder Qigong-Meister mit chinesischer Ernährungslehre, Feng Shui oder anderen Nachbardisziplinen befasst.

So kam es, dass die buddhistische Schwarzhutsekte mit oberflächlichen Kenntnissen über Feng Shui nach Amerika kam und dieses unter dem Einfluss der westlichen Vermarktungsmethoden zu Geld machte. In den USA löste dieses New Age Feng Shui einen Hype aus, der später auch nach Europa übergriff. Diese Abwandlung geht gewöhnlich ohne fundierte Untersuchungen und ohne Messung von Himmelsrichtungen vor (Drei-Türen-Ba-Gua), sondern stützt sich mehr auf den Einsatz von Artefakten wie Geldfröschen, Fu-Hunden, Ba-Gua-Spiegeln etc. Es hält sich bis heute hartnäckig in der öffentlichen Wahrnehmung, obwohl es wenig mit dem Klassischen Feng Shui gemein hat.

In esoterischen Kreisen wurde Feng Shui gar zu einer Farb- und Einrichtungsrichtung degradiert, ohne dabei das Grundkonzept des Energieflusses zu begreifen. Seine Wirksamkeit ist daher äußerst begrenzt oder sogar kontraproduktiv.

Glücklicherweise unterrichten inzwischen Experten, die sich an die ursprünglichen Lehren halten, auch im Westen und eröffnen uns so die Möglichkeit, von dieser machtvollen Methode zu profitieren.